Ende eines Kriegsspiels

Am 21.März kollidierten in Berlin zwei Hubschrauber der Bundespolizei. Ein Beamter wurde getötet und sechs wurden verletzt. Der Unfall ereignete sich beim Olympiastadion, die Polizei hatte hier angeblich einen Einsatz gegen randalierende Hooligans geübt, die Hubschrauber sollten die schnelle Verlegung von Einheiten trainieren.

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Demoschläger mit Verlusten

An dem angeblichen Hintergrund dieser Übung darf gezweifelt werden, weder ist bei Hooligan Randale jemals eine Situation entstanden, die einen derart ungewöhnlichen Einsatz von Hubschraubern erforderte, noch sind überhaupt in Stadtgebieten Lagen gewesen, die nur noch einen Transport von Nachschub durch die Luft zuliessen.

Die Einheit, die diese Übung abhielt, war die BFE der Bundespolizei aus Strausberg. Sie ist die taktische Reserve der Hauptstadt für alle Krisensituationen, berüchtigt für ihr Auftreten bei Demonstrationen und spezialisiert für die Niederschlagung von Unruhen wie z.B. am 1.Mai.
Aus diesem Standort werden die internationalen Polizeimissionen der BRD in Krisengebieten mit ausgewähltem Personal versorgt.

Für die Kontrolle der Berliner Hooligans stehen ausreichend Bullen bereit, die die Randale am Stadion immer relativ schnell in den Griff bekommen. Hubschraubertransporte von BFE der Bundes- oder Bereitschaftspolizei kommen normalerweise nur bei Castortransporten vor, für grössere Entfernungen abseits ausgebauter Straßen ein sinnvolles Transportmittel.
In Stadtgebieten jedoch sind bislang noch nie Situationen entstanden, die für die Einsatzleitung so überraschend waren, dass ein Transport mit Fahrzeugen nicht ausreichte. Wann sind Bullen einmal so in Bedrängnis geraten, dass sie nur noch aus der Luft verstärkt werden konnten?

Was hier gestern trainiert wurde war ein Szenario aus dem Kosovo oder Afghanistan, die polizeilich-militärische Bekämpfung von Unruhen. In den deutschen Auslandseinsätzen werden Feldjäger mit Hubschraubern zum Einsatz gebracht, für Berlin bislang ein unbekanntes Szenario. Die Sicherheitsbehörden bereiten sich auf soziale Spannungen vor, wie sie vielleicht in Griechenland, in den französischen Vorstädten oder den London Riots 2011 die Bullen beschäftigt haben. Dieses Manöver ist ein Beweis für den militärischen Blick der Herrschenden auf möglicherweise sich verschärfende Probleme in Berlin.
Der schnelle und überraschende Einsatz von BFE mit Hubschaubern ist denkbar bei Zwangsräumungen oder Straßenschlachten, wie wir sie uns momentan kaum vorstellen können.

Das Risiko solcher Operationen hat sich jetzt am Olympiastadion gezeigt, die eigenen Verluste sind für die Bullen dabei einkalkuliert und unwichtig, so lange das Einsatzziel erreicht wird.

Presse: Morgenpost
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Tagesspiegel


1 Antwort auf „Ende eines Kriegsspiels“


  1. 1 Freikaempfer 22. März 2013 um 18:13 Uhr

    Hi,
    den Artikel finde ich soweit gut. Allerdings möchte ich der Aussage widersprechen, das bisher keine Situation aufgetreten sei, in der eine Einsatzleitung von Ausschreitungen o.ä. so überrascht wurde das Einsatzkräfte via Hubschrauber angefordert wurden. Das ist nämlich tatsächlich schon (öfter) geschehen. Ein Beispiel dafür ist der 1. Mai 2011 in Hamburg. (Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es wirklich 2011 oder doch 2010 war.) An diesem Tag kam es in Hamburg zu stärkeren Ausschreitungen als von der Polizei erwartet. Diese hatte damit gerechnet, das sich die linke Szene auf Berlin konzentrieren würde. Jedensfalls wurde dann im Laufe des Tages eine hamburger Polizei-Hundertschaft durch Hubschraubereinsatz von Berlin nach Hamburg verlegt, weil die Zeit drängte. Diese Hundertschaft konnte dann gerade so die Polizei vor Ort genug verstärken um die Situation in den Griff zu bekommen.

    Ansonsten stimme ich durchaus zu, das die Polizei in Berlin nicht einfach einen 0815-Einsatz gegen Hooligangs trainierte. In diesem Zusammenhang möchte ich auch fix auf die Existens von „Übungs-Städten“ der Bundeswehr hinweisen. So z.B. auf dem brandenburgischen Truppenübungsplatz Lehnin oder, seit diesem Jahr das Neubauprojekt, auf dem Truppenübungsplatz Altmark in Sachsen-Anhalt. Diese Trainingseinrichtungen werden natürlich nicht nur von der Bundeswehr, sondern auch vom THW oder eben der Polizei genutzt.

    Es bleibt also spannend!

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