Erste Auswertung

Bundesadler acabVorläufige Auswertung zur Demonstration gegen den Polizeikongress am 16. Februar 2013

Am Samstagabend versammelten sich über 1000 Aktivist_innen in Kreuzberg um den Mariannenplatz herum und im gesamten 36 Kiez. Zivis hatten den Auftrag in der Umgebung alles zu beobachten, wo hingegen sich uniformierte Bullen vorerst bedeckt halten sollten. Pünktlich um 20 Uhr startete die Demonstration vom Mariannenplatz in Richtung Skalitzer Straße. Auf Höhe des Görlitzer U-Bahnhofes wurde unsere Demonstration von einer Berliner Hundertschaft angegriffen. Wir hatten uns auf verschiedene Szenarien vorbereitet, so zum Beispiel die Abriegelung des Startpunkts, ein enges Spalier oder ein stoppen durch Polizeiketten. Unsere Demo war bewusst kein „randalierender Chaosmob“, was durchaus möglich gewesen wäre.

Die Bullen suchten die direkte körperliche Auseinandersetzung und rannten an der Kreuzung Skalitzer-/ Oranienstraße frontal in die Demospitze rein. Ab diesem Moment wurden zwar Steine eingesetzt, wir waren aber nicht in der Lage den Angriff nachhaltig abzuwehren. Es erfolgte ein Rückzug in Richtung Mariannenplatz, wo weitere Bulleneinheiten seitlich in die Masse reinliefen. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Demonstration für Berliner Verhältnisse eine ziemlich große, geschlossene, vermummte und unkontrollierbare Masse. Keinesfalls beteiligten sich nur Autonome, sondern auch Jugendliche aus dem Kiez und einige andere aus politische Spektren, die polizeifeindlich eingestellt sind.

Da es nicht möglich war die Demonstration in diesem Moment durchzusetzen, bildeten sich ab 21:30 Uhr mehrere kleinere und größere Gruppen, die durch den Kiez zogen. Mit Beginn des dezentralen Konzeptes (Plan C) wurden am anderen Ende der Oranienstraße die Bundesdruckerei (ein Sponsor des Polizeikongresses) und die Senatsverwaltung für Soziales angegriffen, sowie eine brennende Barrikade davor errichtet, in der Paul-Junius-Straße in Lichtenberg ein Mercedes in Brand gesteckt, vor dem Abschnitt in der Werbellinstraße ein Streifenwagen angezündet, im Bereich zwischen Adalbert- und Melchiorstraße wurden Fahrzeuge von der Deutschen Bahn, Vattenfall und WISAG demoliert. Eine McDonalds Filiale in der Wrangelstraße erlitt Glasbruch, die Postbank in der Skalitzerstraße ebenfalls. Die Bullen versuchten alle weiteren Versuche von Spontandemonstrationen zu unterbinden, wobei im ganzen Kiez Barrikaden gebaut wurden und Steine flogen. Um 23:40 Uhr wurden am Görlitzer Park zwei Wannen mit Steinen angegriffen, zwischendurch gingen mehrere Sparkassen zu Bruch. Die Brücken nach Friedrichshain wurden dann von Hundertschaften besetzt, zwei Wasserwerfer und Räumfahrzeuge von Kreuzberg zum Bersarinplatz in Friedrichshain verlegt. Ganz Friedrichshain war von da an mit starken Zivilkräften und Wannen besetzt. In der Rigaerstraße brannten Mülltonnen und in der Nähe der Wedekindwache wurde ein Bullenwagen angegriffen, eine Person wurde dabei festgenommen.

Besonders unangenehm fielen uns wieder zahlreiche Fotograf_innen auf, die um jeden Preis Aufnahmen vom laufenden Schwarzen Block oder einzelnen Demonstrant_innen machen wollten. An dieser Stelle muss zukünftig ein konsequenteres Vorgehen gegen Fotograf_innen erfolgen. Nachdem bekannt wurde, dass die Bullen fast ein Jahr nach den M31 Protesten in Frankfurt am Main, Fotos und Videos beschlagnahmt haben; Fotograf_innen zu Vorladungen erschienen sind; nachdem bei Razzien teilweise unverschlüsselte Rechner gefunden wurden und zum Teil Material von den Fotografen freiwillig übergeben wurde; nachdem bei der Zwangsräumung in der Lausitzer Straße erneut unzählige unverpixelte Fotos von Aktivist_innen ins Netz gestellt wurden, war es kaum zu glauben, das gestern schon wieder unverantwortliches Fotografieren zu beobachten war. Zurecht wurde ein Fotograf angegangen. (Camover)

Wir werten die Demonstration als Erfolg, weil viele Menschen die Gelegenheit ergriffen haben ihrer Wut, auf die Vernetzung europäischer Polizeikräfte, freien Lauf zu lassen und weil wir die Problematik des Polizeikongresses eindrücklich in die Öffentlichkeit getragen haben. Es hat sich gezeigt, dass es Alternativen zu behördlich genehmigten Protesten gibt und dass unsere Bewegung weniger lethargisch ist, als sie oft wirkt. Wir konnten dem Gewaltniveau der Bullen gestern nicht folgen, dass wird eine Aufgabe für die Zukunft sein. Es liegt nun an uns allen, mehr Situationen und Erlebnisse wie diese zu schaffen, bei denen wir zusammenkommen. Insofern hoffen wir auch auf weitere Auswertungstexte von Gruppen oder Einzelpersonen.

An dieser Stelle solidarische Grüße an die Leute in Frankfurt, die am 15.2. eine Sponti gemacht haben.

Auf ein widerständiges Jahr 2013! Für einen schwarzen Februar!


3 Antworten auf „Erste Auswertung“


  1. 1 max mustermann 17. Februar 2013 um 19:53 Uhr

    der absatz mit den fotografen is glaub ich leicht missverständlich.

    sind gar keine fotos mehr erlaubt?
    oder meint ihr nur fotos von demonstranten?
    irgendwie sollten direkte aktionen ja medial transpotierbar sein.

    dieses video zum beipsiel wäre doch okay
    http://www.youtube.com/watch?v=ggVchOtE_-k
    abgesehen davon, dass es vom RT-netzwerk ist.

  2. 2 Gollum 17. Februar 2013 um 20:29 Uhr

    Zuallererst mal Glückwünsche zur Umsetzung des dezentralen Konzeptes – das war groß, das war gelungen. Das es trotzdem einige Festnahmen gegeben hat wundert mich. Warum – darüber müsste auch gesprochen werden!
    Nun zur Kritik:
    Vorrausschickend: gewiss, ich bin alt. Gelegentlich finde ich die Darstellung der Polizei als ewigen Feind sehr vereinfacht. Da wird ein Beissholz hingehalten, daß nur zu gerne genommen wird.
    Andersrum gesagt: wenn jemand die Polizei abschaffen will, muss er gleichzeitg beweisen, daß er in der Lage ist, die Polizeiarbeit die gelegentlich durchaus notwendig wäre, zu leisten. Denn die gibt es leider durchaus und daß dies immer wieder geleugnet wird ist ein kapitaler Fehler.
    Noch einfacher gesagt, einfach mal Nachts im Görli rumstreifen und sehen was passiert und wer dann hilft oder nicht.

    Nochmal: gelungene Aktion, damit allein kann man der Bevölkerung gegenüber nicht plausiebel machen, warum man die Polizei bekämpft.

  1. 1 Polizeikongress: Antira-Aktionen — Antifa Netzwerk Pingback am 24. Februar 2013 um 15:00 Uhr
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