Griechische Polizei & Rheinmetall Granaten

Griechische Polizei & Rheinmetall Granaten
AutorIn des Beitrags 04.11.2012 20:40 Themen: Militarismus Repression Soziale Kämpfe Die griechische Polizei setzt Blendschock-Granaten der deutschen Firma Rheinmetall zur Unterdrückung sozialer Proteste und zur Bekämpfung von migrantischen Straßenhändlern ein.
Durch die Granaten wurden zahlreiche Menschen schwer verletzt. Der anstehende Polizeikongress in Berlin kann eine Gelegenheit sein, sich mit dieser Art von Entwicklungshilfe zu beschäftigen.
Am 13. April 1889 gründete Heinrich Ehrhardt mit Hilfe eines Konsortiums von Banken aus Berlin, Frankfurt am Main und Düsseldorf die „Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik Actiengesellschaft“ in Düsseldorf. Das Unternehmen wurde zur Erfüllung eines größeren Munitionsauftrages des Kriegsministeriums gegründet, den Ehrhardt vom Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein gegen Provision angeboten bekommen hatte.
In den Folgejahren wuchs Rheinmetall auch auf Grund eingehender Produktionsaufträge aus dem Ausland. 1906 wurde daher das Werk in Düsseldorf erweitert. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges war Rheinmetall einer der größten Rüstungshersteller im Deutschen Kaiserreich und beschäftigte fast 8.000 Mitarbeiter.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Rüstungsproduktion maximal gesteigert und die Entwicklung neuer Waffensysteme gefordert. Der staatliche Einfluss durch Institutionen der Wehrmacht und die Eingliederung von Rheinmetall-Borsig in das Staatsunternehmen Reichswerke Hermann Göring nahm soweit zu, bis das Unternehmen vollständig verstaatlicht und in die planmäßige Kriegsvorbereitung integriert wurde.
Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten zahlreiche Zwangsarbeiter in den Rheinmetall-Betrieben. Im Werk Unterlüß allein wurden am Kriegsende etwa 5.000 ausländische Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen sowie Kriegsgefangene (ca. 2.500 Polen, 1.000 aus der UdSSR, 500 Jugoslawen, 1.000 aus anderen Ländern) von den britischen Truppen befreit. Zeitweilig waren dort auch ungarische Jüdinnen in einem Außenlager des KZ Bergen-Belsen eingesetzt.
Die Fertigung schwerer Waffen, wie Geschützrohre und Lafetten, wurde 1964 wieder aufgenommen. Dabei begann man mit der Ausstattung von Panzern und Artilleriegeschützen. Rheinmetall entwickelte eine Jagdpanzer-Kanone, einen Standard-Panzerturm und eine Panzer-Haubitze. Ein Jahr später wurde mit der Entwicklung der 120-Millimeter-Glattrohrtechnologie begonnen.

Zur Ausweitung des Munitionssortiments auf pyrotechnische Produkte erwarb man 1970 eine Mehrheitsbeteiligung an der NICO Pyrotechnik Hanns Jürgen Diederichs KG.
Informationen über die Schockgranaten der Firma NICO, die nach der Fusion jetzt von Rheinmetall hergestellt und verkauft werden, finden sich hier http://www.ssi-media.com/pigbrother/Report2003Part2.htm#8f inclusive Fotos von schlimmen Verletzungen.

Die griechische Polizei wird seit Jahren mit diesen Granaten beliefert und setzt sie zu jedem beliebigen Anlaß ein. Bei einer Demonstration von Studierenden in Athen am 8.März 2007 fielen zum ersten Mal auf Fernsehbildern diese Waffen auf. Während normalerweise der Werfer diese Granate sofort nach dem Ziehen der Sicherung wirft, schon aus Gründen der eigenen Sicherheit, wurden einige Granaten bei dieser Demonstration so geworfen, das sie im Flug explodieren. Im Regelfall detoniert die Granate von Rheinmetall einige Sekunden nach dem Aufschlag. Wer daneben steht wird an den Beinen schwer verletzt, auch Feuer sind schon duch die Stichflamme ausgebrochen. Eine Explosion in Kopfhöhe kann sehr schnell tödlich wirken.
Video vom Polizeieinsatz am 8.März 2007 vor dem griechischen Parlament:
http://www.youtube.com/watch?v=is2V3o_6heg&feature=related
Gleich am Anfang ist der Anflug des explodierenden Rheinmetallartikels zu sehen, auch in Zeitlupe.
Auch auf diesem Video vom gleichen Tag sind bei 2:19 und 2:32 Explosionen von Blenschock-Granaten zu sehen http://www.youtube.com/watch?v=W1fRfPodlQE&feature=related

Neben dem Einsatz bei Demonstrationen wirft die griechische Polizei auch damit auf migrantische Straßenhändler, z.B. am 19.Oktober 2012 vor der Universität ASSOE in Athen,
https://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=1431404

Einsatz des gleichen Modells in Genf 2003
http://www.youtube.com/watch?v=xT6U0QDMpdo

Waffen von Rheinmetall waren schon im zweiten Weltkrieg in Griechenland im Einsatz
http://www.youtube.com/watch?v=PH2R92lq8LU

Leider sind sehr wenige Informationen über die Geschäfte von deutschen Firmen mit der griechischen Polizei verfügbar. Diese finanziert ihre Einsatzmittel auch zum Teil aus den sogenannten Krediten der EZB, die nur ausgezahlt werden wenn die griechische Regierung die von der Troika geforderten Sparmaßnahmen durchsetzt.
Mit anderen Worten: die Menschen in Griechenland bezahlen für deutsche Granaten, mit denen sie beworfen werden wenn sie gegen ihre Verelendung demonstrieren. Diese zynische Geschäftspolitik von Rheinmetall und Co kann beim europäischen Polizeikongress 2013 in Berlin kritisch hinterfragt werden.

(Quelle: http://de.indymedia.org/2012/11/337221.shtml)